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Aktuell  29.04.2021

Junge in Österreich mit ungewisser Zukunft

Die Pandemie hat das Leben junger Menschen auf den Kopf gestellt gestellt. Sie sind verunsichert, fühlen sich in der Corona-Krise nicht gehört und von der Politik nicht beteiligt.

Die repräsentative „Studie Junge Österreicher:innen 2021“ bietet ein differenziertes Bild über die Lage und Bedürfnisse der jungen Generation in Österreich. Sie erklärt, wie es den jungen Menschen geht, was sie von der Politik erwarten und wie sich die Klima- und Corona-Krise in ihrer Werteeinstellung spiegeln. Zudem liefert die Studie Arbeitgebern, Politik und Eltern konkrete Tipps für den Umgang mit der „Generation Reset“.

Jung sein im Jahr 2021 fühlt sich an, wie Monopoly spielen: Man weiß nie, wie weit man kommt, wie viel man gewinnt und verliert, bevor es wieder heißt „Gehe zurück auf Los“. Anstelle von Spaß rückt das heimatliche Kanapee. Junge Österreicher werden in ihrer beruflichen Karriere ausgebremst anstattdurchzustarten. Das eigene Nest muss noch warten, stattdessen ziehen sie wieder bei ihren Eltern ein. Kaum wird der Lockdown gelockert und etwas Freiheit liegt in der Luft, drücktwiederjemandaufReset. Die umfassenden sozialen, wirtschaftlichen und systemischen Einschnitte verändern die Lebenswelt und Biographien der jungen Generation grundlegend und nachhaltig. Aus diesem Grund sieht der Studienautor Simon Schnetzer einen neuen Generationenbegriff gerechtfertigt: Generation Reset. Ein Studienteilnehmer drückte das so aus: „Kein Job, keine Kohle, keine eigene Bude mehr. Jetzt wohne ich wieder bei meinen Eltern.“



Der Wert Familie erlebt in dieser Zeit eine regelrechte Renaissance – freiwillig oder unfreiwillig. Die Frage danach, was in Zeiten der Krise jungen Menschen Halt bietet, beantwortet die überwiegende Mehrheit mit Familie. Für 71% der Befragten ist der Zusammenhalt in der Familie in Zeiten der Pandemie der prägendste Einfluss. Denn diese bietet soziale Kontakte, Struktur im Alltag und finanziellen Schutz.



Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick
Genau 69% der Befragten sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Leben. Auch wenn die grundsätzliche Zufriedenheit gegeben ist, schürt die Corona-Pandemie Unsicherheit bei den jungen Österreicher:innen. Ein Teilnehmer: „Wir müssen uns anpassen. Uns wird nicht erlaubt, wir selbst zu sein.“

Junge Männer sind zufriedener mit ihrem ökologischen Fußabdruck als junge Frauen, obwohl sie angeben, weniger dafür zu tun. Im Vergleich zur Generation Z sind Angehörige der Generation Y zufriedener mit ihrer schulisch-beruflichen Situation, mit der psychisch-seelischen Gesundheit und ihrer Balance von Arbeit / Schule / Studium und Freizeit. Die Generation Z ist hingegen zufriedener mit ihren Aussichten für die Zukunft und den Möglichkeiten, das Leben selbst zu gestalten. Junge Menschen mit Kindern sind besonders zufrieden mit dem Sinn und Zweck ihrer Aufgaben. Verheiratete junge Leute sind etwas zufriedener als junge Leute in einer Beziehung und junge Singles sind in jeglicher Hinsicht etwas unzufriedener.

Den größten Einfluss auf die aktuelle Lebenssituation hat für die Generation Z die Smartphone-Nutzung (72%) und für die Generation Y der Zusammenhalt in der Familie (75%). Ein Befragter: „Wir sind alle sehr an die sozialen Medien gebunden, leider.“

Die fünf wichtigsten Werte der jungen Österreicher:innen in der Generation Z sind Gesundheit (75%), Vertrauen (72%), Freiheit (71%), Frieden und Familie (jeweils 70%). Für die Generation Y nimmt das Ranking eine andere Anordnung an: Gesundheit (76%), Vertrauen (70%), Familie (69%), Frieden (68%) und Freiheit (65%) sind die Top-5-Werte. Ökologische Nachhaltigkeit und Klimabewusstsein belegen mit je 51% insgesamt außerhalb der Top-10-Reihe die nachrangigen Plätze. Zufrieden sind jedoch nur 41% mit ihrem „ökologischen Fußabdruck“. Das zeigt den Grad des tatsächlichen Einflusses der sozialen Bewegung „Fridays for Future“ auf die vermeintliche »Generation Greta«. Teilnehmer-Zitat: „Gender Pay Gap, Frauen arbeiten »gratis«, Einbußen zugunsten der »Alten« und der eigenen Kinder, schlechtes Gewissen wegen des Klimas.“

Die beiden wichtigsten Motivatoren der jungen Generationen sind Geld, Leidenschaft und Spaß. Karriere an sich ist als Wert nachrangig. Finanzielle Sicherheit ist ein Grundbedürfnis, das in Zeiten der Krise die Lebenssituation stärker bestimmt. Teilnehmer-Zitat: „Seit der Corona-Krise muss ich mir wieder die Frage stellen, wie es weitergeht und was mich glücklich macht im Leben.“

Was gute Arbeit ausmacht, hat sich durch die Corona-Pandemie kaum verändert: Die Top-3-Aspekte guter Arbeit sind eine gute Arbeitsatmosphäre, Spaß bei der Arbeit und eine gute Balance zwischen Arbeit sowie Freizeit. Gleich danach kommt für die Generationen Y und Z die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Junge Österreicher:innen arbeiten am liebsten in einem Büro in ihrer Heimat gemeinsam mit anderen Menschen. Für ihren Job entscheiden sie sich, weil er sicher ist, und gute berufliche wie auch finanzielle Perspektiven bietet.

Die fünf wichtigsten Einflüsse bei der beruflichen Orientierung junger Österreicher:innen sind berufliche Perspektiven (66%), finanzielle Perspektiven (60%), Arbeitsplatzsicherheit (59%), die Eltern (48%) und das Zeugnis (40%). Die klare Orientierung an beruflichen und finanziellen Perspektiven sowie der Sicherheit des Arbeitsplatzes bedeutet eine Trendwende zu dem über längere Zeit geltenden Anspruch vieler Eltern, ihre Kindern entsprechend ihrer Wünsche und unabhängig von materiellen Perspektiven zu fördern.

Die große Mehrheit (72%) der jungen Generation verhält sich in der Corona-Pandemie solidarisch, indem sie auf Familie und Freunden Rücksicht nehmen, sich an die AHA-Regeln halten (67%) und auf Feiern oder Partys verzichten (65%) – und das, obwohl nur 8% der jungen Österreicher:innen zur Risikogruppe zählen. Es ist alarmierend, dass sich für 32% der jungen Generation die finanzielle und berufliche Situation verschlechtert hat. Ein Teilnehmer: „Finanziell ist die Lage ohne Nebenjob echt hart. Ich kann nur hoffen, dass meine Eltern ihre Jobs behalten.“

Die Wünsche junger Menschen für die Zukunft bleiben beinahe unverändert: Gesundheit und ein Leben ohne COVID-Virus, Glück, Zufriedenheit und weniger Stress, Familie und Kinder, Partnerschaft und Liebe sowie Geld und Sicherheit. Österreich hatte lange Zeit keine so politisch interessierte und engagierte Jugend mit klaren inhaltlichen Erwartungen: Mehr auf die Wünsche der Jugend hören, bessere Übergange von Lebens- und Bildungsabschnitten schaffen, das Bildungswesen reformieren, entschlosseneres Vorgehen beim Klimaschutz, Ausbau des ÖPNV, nachvollziehbarere Kommunikation von Seiten der Politik, mehr Beteiligung und Expertentum.


Der Trend- und Jugendforscher Simon Schnetzer erwartet, dass „Vertrauen“ das Megathema der Zukunft wird. Die Herausforderung wird es sein, Vertrauen wieder aufzubauen: zu Freunden, in Teams und in die Politik. Damit junge Menschen wieder Vertrauen in die Zukunft fassen, benötigen sie eine Perspektive. Dies gilt insbesondere in der Phase der Übergänge wie beispielsweise durch eine Arbeitsstelle, ein ehrenamtliches Engagement oder ein Corona-Stipendium, um sich an der Bewältigung der Krise zu beteiligen.





Was bedeuten die Studienergebnisse, die im Rahmen einer Roadshow für Unternehmen in Österreich präsentiert werden, für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft? Vor allem, dass sie den jungen Menschen mehr zuhören müssen, um sie nicht zu verlieren. Sie sollten ihre Bedürfnisse, Ängste und Forderungen ernst nehmen. Schließlich hängt von deren Start ins Berufsleben ab, in welchem Maß sie später zu den sozialen Systemen der Sicherung beitragen können. Fazit: Die junge Generation will als Zukunftsgestalter:innen eingebunden werden, um ihre Zukunft nicht dem Schicksal zu überlassen, sondern Teil der Lösung zu sein.

Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie hier!

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